Die Amati-Dynastie

Mit der Dynastie der Amati beginnt die große Epoche des Geigenbaus in Cremona.
Der Urvater des Geschlechts war Andrea Amati (geb. um 1535), der aus einem reichen Patriziergeschlecht stammte, dessen Stammbaum bis auf das Jahr 1007 zurückgeht.
Der reiche Amati nutzte seinen Reichtum, um sich das beste Holz für seine Instrumente zu verschaffen, Fichte u.a. für die Decke, die Stimme und den Bassbalken, Ahorn für den Boden.
Anders als seine Zeitgenossen Gasparo da Salò und Paolo Maggini strebte Amati nicht nach einem reinen majestätischen Ton, sondern vielmehr nach einer herrlichen Süße, weshalb seine Geigen kleiner, ihre Decke aber ziemlich gewölbt sind.
Schnell verbreitete sich auch außerhhalb Italiens die Kunde von Amatis großer Meisterschaft:
er erhielt große Aufträge vom französischen Hof, König Karl der IX. bestellte gleich ein vollständiges Streichorchester für die Hofmusik.

Andrea Amati hatte aus seiner ersten Ehe drei Kinder, darunter auch die Söhne Antonio und Girolamo (Hieronymus), die nach seinem Tode die Werkstatt übernahmen.
Sie verbesserten das Modell ihres Vaters, indem sie die hohe Wölbung der Decke scharf in eine Hohlkehle abfallen ließen und so den Ton noch weitaus süßer machten.

Von den Gebrüdern Amati stammt auch meine Geige, aus dem Jahr 1624.
Girolamo hatte aus seiner ersten Ehe fünf Töchter, der zweiten enstammten neun Kinder, das fünfte war Nicola, der den Ruhm der Amati-Dynastie noch steigern sollte.

Nicola Amati wurde 1596 geboren und übte den nachhaltigsten Einfluss auf die Cremoneser Schule aus, vor allem bedingt durch die große Anzahl seiner vortrefflichen Schüler, unter ihnen Andrea Guarneri, Francesco Ruggeri und der geniale Antonio Stradivari.

Anfangs arbeitet Nicola noch nach dem Modell seines Vaters. Doch schon bald erkundete er neue Möglichkeiten und verband die von seinen Vorvätern so geliebte Süße mit neuer Klanggröße, um den stetig wachsenden Anforderungen der Geiger jener Zeit gerecht zu werden.
Diese Geigen sind ziemlich groß, hoch gewölbt, wobei die Wölbung ziemlich bald in die Hohlkehle übergeht. Damit schuf Nicola den Silberklang, für den seine Geigen so berühmt sind.

Leider entschied sich nur eines seiner neun Kinder ebenfalls dazu, Geigenbauer zu werden:
Girolamo baute Geigen und Celli, erreichte jedoch nie die Größe seiner Vorfahren.